Axel Vahldiek

Der Weg zurück

XP-Installation mit Notausgang

Die Installation von Windows XP ist nicht zwangsläufig ein Weg ohne Wiederkehr. Microsofts neuester Betriebssystem-Sprössling lässt sich auch so installieren, dass bei Nicht-Gefallen ein zuvor installiertes Windows 9x oder 2000 in wenigen Minuten wiederbelebt ist.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, XP so zu installieren, dass sich ein zuvor auf der Platte befindliches Windows in kurzer Zeit wieder herstellen lässt: Wahlweise kann man die XP-eigene Deinstallations-Routine nutzen, das Betriebssystem gemeinsam mit anderen auf eine oder zwei Festplatten packen oder den Vorgänger vor der XP-Installation mit einem Imaging-Programm sichern.

Deinstallation

Wer seine mühsam konfigurierten Anwendungen auch nach dem Umstieg auf XP weiternutzen möchte, ohne sich jedoch dem Installations-Aufwand erneut auszusetzen, ist statt mit einer Neuinstallation besser mit einem Update bedient: Einfach bei laufendem Vorgänger-Windows von der XP-CD das Programm `Setup.exe´ starten (ist die Autoplay-Funktion aktiv, startet es von alleine) und `Update´ auswählen (findet sich auch bei Vollversionen). Zuvor sollte man jedoch alle anderen laufenden Programme beenden - wer sich nicht sicher ist, was alles läuft, findet Hilfe in [1].

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Nach einer Update-Installation bietet XP in der Systemsteuerung unter Software eine Option zur Deinstallation.

Nach Abschluss der Umbauarbeiten ist in der XP-Systemsteuerung unter Software ein besonderer Eintrag namens `Windows XP-Deinstallation´ zu finden, als wäre XP nur eins von vielen installierten Programm-Paketen. Und in der Tat verbirgt sich hier eine Option zum Entfernen von XP und damit die Rückkehr zum Vorgängersystem: Sie verrichtete bei unseren Tests problemlos ihren Dienst und brachte bereits nach wenigen Minuten und zwei Neustarts das zuvor installierte 9x zurück. Wer Angst um seinen Plattenplatz hat, sei beruhigt: Gerade mal drei MByte blieben vom `XPeriment´ übrig.

Man sollte sich jedoch besser möglichst bald entscheiden, ob zukünftig das neue System oder doch lieber wieder der Vorgänger zum Einsatz kommen soll, da der Rückweg zunehmend steinig wird: XP entfernt bei Aufruf der Deinstallationsoption nicht nur sich selbst, sondern demoliert auch Programme, die erst unter XP installiert wurden, und zwar die, die ihre Einstellungen in der Registry [2] ablegen. Weil die Deinstallations-Routine auch die XP-Registry löscht und die nun wieder zuständige Registry des Vorgängers von den später hinzugekommenen Programmen nichts weiß, scheitert deren Start mit teilweise abstrusen Fehlermeldungen. Fairerweise weist XP vor seinem Ableben auf die möglichen Probleme hin. Ebenfalls verloren geht fast der komplette Inhalt des unter XP für die Ablage der persönlichen Dateien und Konfigurationen zuständigen Ordners `C:\Dokumente und Einstellungen´. Lediglich die hierin liegenden `Eigenen Dateien´ bleiben erhalten - später wieder zu finden direkt im Wurzelverzeichnis der Systempartition.

So manche Bastelarbeiten an XP nehmen dem Anwender übrigens die Entscheidung ab: Ändert man etwa das Dateisystem der Systempartition mittels des Kommandozeilen-Befehls convert c: /fs:ntfs von FAT nach NTFS, so löscht XP ohne den geringsten Hinweis hierbei auch die Deinstallationsoption.

Parallel

Wer solche Tücken meiden möchte, kann XP statt darüber auch daneben installieren: auf einer freien Partition. Dieses Vorgehen erlaubt es, das bisherige Windows weiter zu nutzen, bis man sich an XP gewöhnt hat, verbraucht andererseits jedoch Plattenplatz und nötigt den Anwender gegebenenfalls, sich mit einem Partitionierwerkzeug herumzuschlagen, um den Platz zu schaffen - eine Anleitung dazu findet sich in [3].

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Soll XP gleichzeitig mit einem Vorgänger auf der Platte residieren, so muss man das Setup ausdrücklich anweisen, nach dem Installationslaufwerk zu fragen.

Wie das Update lässt sich auch die Parallelinstallation bequem vom Vorgängersystem aus starten - nur ist diesmal `Neuinstallation (weitere Optionen)´ auszuwählen. Wichtig ist dann jedoch, dass man diese weiteren Optionen nicht einfach wegklickt: Das Fenster `Setup-Optionen´ bietet nicht nur Eingabehilfen und Sprachauswahl an, sondern auch `Erweiterte Optionen´. Ein Klick darauf öffnet ein neues Fenster, in dem sich unter anderem der Punkt `Installationslaufwerk und -partition während der Installation auswählen´ findet. Hier gehört ein Häkchen davor, weil XP sich sonst einfach ohne Nachfrage die nächste ausreichend große Partition als Residenz aussucht. Noch schlimmer: Findet XP keine freien Platz, will es in die Partition, die auch schon den Vorgänger beherbergt, und davon rät sogar Microsoft ausdrücklich ab. Allerdings bekommt der Anwender noch eine zweite Chance: Wenn das Setup vom Anwender wissen will, ob es das Dateisystem der von XP ausgewählten Partition beibehalten oder ändern soll, bringt ein beherzter Druck auf die Escape-Taste doch noch den gewünschten Auswahldialog zum Vorschein. Nach Abschluss der Installation ermöglicht der XP-eigene Bootmanager [4] die Auswahl des zu startenden Betriebssystems.

Um XP wieder loszuwerden, reicht es aus, das entsprechende Laufwerk zu löschen oder neu zu formatieren. Allerdings bleibt davon der Bootmanager unberührt, der weiterhin beim Starten nachfragt, welches System er denn bitte starten soll. Bleibt 2000 auf der Platte, löscht man mit einem beliebigen Texteditor in der Datei C:\Boot.ini im Abschnitt `[operating systems]´ einfach den für XP zuständigen Eintrag - fertig.

Bleibt hingegen 9x übrig, hilft eine mit diesem System erstellte Startdiskette weiter, mit der man den PC hochfährt. Das Kommando

Sys C:

stellt dann den ursprünglichen 9x-Bootsektor wieder her - der XP-Bootmanager ist außer Betrieb. Die Dateien boot.ini. ntldr und ntdetect.com, die alle direkt auf C: liegen, sind nun ebenfalls überflüssig und gefahrlos zu löschen.

Eine weitere Installationsvariante steht jenen zur Verfügung, die über eine freie zweite Festplatte sowie ein BIOS verfügen, das die Auswahl der Boot-Platte erlaubt. Sie können die erste Platte vorübergehend abklemmen, auf der zweiten danach XP installieren, anschließend die erste wieder anklemmen und zukünftig die Auswahl des zu startenden Betriebssystems via BIOS treffen. Vorteil: Zum Entfernen reicht das Formatieren der XP-Partition.

Image

Eine vierte Variante, sich beim Umstieg auf Windows XP eine Hintertür offen zu halten, ist das Erstellen eines genauen Abbilds der Systempartition (`Image´) des alten Systems, welches man bei Bedarf einfach wieder zurückspielt. Wie das mit Linux geht, steht in [5]. Wem das zu umständlich ist, der kann sich auch eine spezielles Imaging-Tool wie etwa Drive Image von PowerQuest [6] zulegen, dass das Image nicht nur auf einer anderen Partition sichern, sondern auch direkt auf CD-R brennen kann.

Welche der vier hier vorgestellten Varianten Verwendung findet, ist letztlich Geschmackssache: Das deinstallierbare Update ist die schnellste Art des Umstiegs, birgt aber Risiken. Die beiden Parallelinstallationen erlauben auch weiterhin den Zugriff auf das alte, vertraute System, wenn man mit dem neuen System Probleme hat. Die Imaging-Lösung bietet das zwar nicht, erlaubt aber dafür die einfachste und radikalste Art der Deinstallation. (axv)

Literatur

[1] Herbert Schmid, Jürgen Schmidt, Axel Vahldiek, Kammerjäger, Windows von ungebetenen Gästen befreien, c't 15/02, S. 144

[2] Hajo Schulz, Schaltwerk, Hinter den Kulissen der Windows-Registry, c't 8/02, S. 112

[3] Axel Vahldiek, Treffen der Generationen, Windows 9x nach XP installieren, c't 5/02, S. 214

[4] Axel Vahldiek, Starthilfe, Bootloader von Windows 2000 und XP sichern, c't 21/01, S. 248

[5] Dr. Oliver Diedrich, Für alle Fälle ..., Virentest, Datenrettung, System- und Netzwerkdiagnose mit der c't-Software-CD, c't 13/02, S. 208

[6] Karsten Violka, DOSenkonserven, Drive Image 2002 von PowerQuest, c't 12/02, S. 80