So viele Neuerungen XP auch mitbringt, eines hat sich nicht geändert: Nach der Installation sind wieder erst einmal diverse Handgriffe vorzunehmen, um Windows an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.
Nach überstandener Installation von XP sieht sich der Anwender einem Betriebssystem gegenüber, dessen Standard-Einstellungen fast nie wirklich seinem Geschmack entsprechen: Es will Dateien und Menüpunkte vor ihm verbergen, gelegentlich mit Mama Microsoft sprechen, und ab und an eigenmächtig den Desktop aufräumen. Doch mit einigen Klicks an der richtigen Stelle lässt sich XP zum Glück in ein braves und folgsames Windows verwandeln, das einfach macht, was man ihm sagt.
Beim Blick in die Taskleiste fallen im Infobereich (Systray) mehrere Symbole auf, die teilweise mit nervigen Spruchblasen die Aufmerksamkeit des Anwenders erregen wollen. Hierbei handelt es sich um den Windows Messenger sowie eine Aufforderung, eine Tour durch Windows zu machen. Neben dem Infobereich erlaubt ein zusätzlicher Schalter eine Auswahl der Tastaturbelegung.
Wer hier aufräumen will, startet zuerst das `Systemkonfigurationsprogramm´ durch Eingabe von `msconfig´ im Startmenü unter `Ausführen´. Unter `Systemstart´ lassen sich Messenger (`msmsgs´) und die Tastaturbelegungs-Auswahl (`ctfmon´) lahm legen. Ohne Messenger fordert XP auch nicht mehr dazu auf, sich bei Passport ein Konto einzurichten. Die Tour-Einladung gibt nach einigen Neustarts von alleine auf, wer trotzdem einschreiten will, ruft durch Eingabe von `regedit´ im Startmenü unter Ausführen den Registry-Editor auf und sucht dort nach dem Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE\ SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\ Applets\Tour, erstellt dort einen neuen DWORD-Eintrag namens `RunCount´ und weist ihm den Wert `0´ zu. Tippfaule können auch den entsprechenden Tipp Nr. 817 aus der c't-Tipp-Datenbank verwenden (siehe Soft-Link) - und sich dort auch gleich mit den vielen anderen Tipps versorgen, die das XP-Leben erleichtern [1].
Als nächstes empfiehlt sich ein Rundgang in den Systemeigenschaften, zu finden via Rechtsklick auf den Arbeitsplatz und anschließende Auswahl von `Eigenschaften´. Wer beispielsweise sein XP regelmäßig mit Hilfe eines Imaging-Programmes sichert, kann hier die bordeigene `Systemwiederherstellung´ im gleichnamigen Reiter deaktivieren. Wer Fernzugriffen grundsätzlich misstraut, verhindert unter `Remote´ das `Senden von Remote-Unterstützungsanforderungen´. Im Reiter `Hardware´ findet sich die Schaltfläche `Treibersignierung´. Wer sich genervt fühlt, weil XP bei jedem nicht von Microsoft signierten Treiber quengelt, kann hier für Ruhe sorgen, umgekehrt aber auch XP anweisen, nur noch signierte Treiber zu akzeptieren.
Weitere nützliche Schalter finden sich im Reiter `Erweitert´, etwa unter `Systemleistung´: Hier kann man wahlweise einzeln oder auch auf einen Schlag das neue XP-Design (`Luna´) sowie die vielen Effekte und Animationen deaktivieren: Einfach `Für optimale Leistung anpassen´ anklicken, übernehmen und schon fühlen sich 9x-Gewohnte wieder heimisch. Die meisten hier zur Auswahl stehenden Schalter sind selbsterklärend, nur der letzte nicht: Hinter `Visuelle Stile für Fenster und Schaltflächen verwenden´ verbirgt sich die Option, Lunas Farben unabhängig von den Effekten an- und auszuschalten.
Ebenfalls unter `Erweitert´ findet sich die Schaltfläche `Fehlerberichterstattung´. Ein Klick darauf bringt ein neues Fenster, in dem man XP abgewöhnen kann, jeden aufgetretenen Programm- und Systemfehler gleich nach Hause zu petzen. Doch Vorsicht, XP gibt sich hier zickig: Trotz deaktivierter Fehlerberichterstattung versucht es `kritische Fehler´ trotzdem zu melden, das stoppt erst ein ebenfalls hier zu findender zusätzlicher Schalter. Alle, die XP sowieso grundsätzlich erst einmal der Spionage verdächtigen (siehe vorangegangenen Artikel), finden übrigens in der Freeware `XP-Antispy´ einen wertvollen Helfer, der gleich reihenweise verdächtige XP-Funktionen ausschaltet - zu finden via Soft-Link.
Das wichtigste Werkzeug zum Arbeiten mit XP ist der Windows-Explorer. Doch der will, wie schon seine Vorgänger, in der Standard-Einstellung nicht alle Informationen preisgeben und versteckt zudem einige Menüpunkte. Doch die Widerspenstigkeit lässt sich austreiben: In der Menüleiste wählt man dazu unter `Extras´ den Menüpunkt `Ordneroptionen´ aus und klickt in dem nun aufklappenden Fenster auf den Reiter `Ansicht´. Hier offenbart sich eine Fülle von (meist selbsterklärenden) Optionen, die dem Explorer unter anderem abgewöhnen, Dateiendungen sowie versteckte und Systemdateien auszublenden. Am einfachsten ist es, einfach von oben bis (fast) nach unten jeden Schalter einmal anzuklicken, egal ob da vorher ein Haken war oder nicht. Mögliche Warnungen des Betriebssystems kann man ausschlagen. Lediglich die unten zu findenden Punkte `Verschlüsselte oder komprimierte NTFS-Dateien in anderer Farbe anzeigen´, `Vollständiger Pfad in Adressleiste anzeigen´ sowie `Vorherige Ordnerfenster bei der Anmeldung wieder herstellen´ dürfen unberührt bleiben - deren Einstellungen sind letztlich Geschmacksache.
Nun zeigt der Explorer zwar alle Dateien, aber nicht immer entspricht auch die Darstellungsform den Wünschen des Anwenders. Hier hilft der Menüpunkt `Ansicht´ weiter, wo sich nicht nur die Statusleiste einschalten, sondern auch die Detailfülle der Darstellung konfigurieren lässt. Die Darstellungsform `Details´ lässt sich zusätzlich via `Details auswählen´ optimieren.
Zeigt der Explorer die Daten endlich wie gewünscht, kann man Windows anweisen, die Darstellung für alle anderen Ordner zu übernehmen. Die entsprechende Schaltfläche versteckt sich wiederum in den bereits erwähnten Ordneroptionen unter `Ansicht´ und heißt `Für alle übernehmen´.
Auch bei Startmenü und Taskleiste gibt es was zu optimieren. Am schnellsten geht das mit einem Rechtsklick in einen leeren Bereich der Taskleiste und anschließender Wahl von Eigenschaften. In dem sich nun öffnenden Fenster kann man XP unerwünschte Neuerungen wie etwa das Gruppieren ähnlicher Elemente oder Ausblenden inaktiver Elemente aus dem Infobereich wieder abgewöhnen.
Der zweite Reiter erlaubt die Auswahl zwischen klassischen und neuem Startmenü und deren Anpassung an die persönlichen Bedürfnisse. So lässt sich hier beispielsweise die Anzahl der am häufigsten genutzten Programme ändern, die XP im neuen Startmenü anzeigt. Die erweiterten Einstellungen beider Startmenüs erlauben zudem diverse Konfigurationen, die bei älteren Versionen nur mittels mühsamer Registry-Hacks erreichbar waren, etwa eine aufklappende Systemsteuerung - was man hier einstellt, ist aber Geschmackssache. Wer beispielsweise die klassische Variante des Startmenüs verwendet und sich dort über ausgeblendete Einträge ärgert, gewöhnt XP dieses Verhalten durch Ausschalten von `Persönlich angepasste Menüs verwenden´ ab.
Allerdings verfügen einige der Schalter hier über mehr als nur optisches Potenzial: Wer sich schon mal darüber geärgert hat, dass er versehentlich durch hektisches Mausschubsen Icons aus dem Startmenü auf den Desktop oder auch umgekehrt verlegt hat, findet hier Abhilfe: Die Einstellung heißt `Ziehen und Ablegen aktivieren´. Ihr Ausschalten deaktiviert auch gleich das Kontextmenü des Startmenüs, sodass Wartungsarbeiten nur noch via Explorer möglich sind - zu erreichen durch Rechtsklick auf den Start-Knopf. Wer bei der Gelegenheit auch die Taskleiste an die einmal festgelegte Position nageln will, findet den Schalter `Taskleiste fixieren´ in ihrem Kontextmenü.
Wer das neue Startmenü verwendet, vermisst womöglich die gewohnten Symbole für den Arbeitsplatz und die Netzwerkumgebung auf dem Desktop. Hier hilft ein Rechtsklick auf den leeren Desktop, die Auswahl von `Eigenschaften´ bringt dann die `Eigenschaften von Anzeige´ zum Vorschein. Im Reiter `Desktop´ findet sich eine Schaltfläche `Desktop anpassen´, hinter der sich ein Fenster mit einer Option zum Wiedereinschalten der Symbole verbirgt. Hier kann man auf Wunsch auch den `Desktopreinigungs-Assistenten´ deaktivieren, der sonst alle 60 Tage länger nicht verwendete Desktop-Symbole in den Mülleimer wirft.
Wer es von 9x gewohnt ist, die Lautstärke nicht per Box, sondern über das Symbol im Infobereich der Taskleiste zu regeln, wird es hier vermissen. Ein Wiedersehen ermöglicht der Schalter `Lautstärkeregelung in der Taskleiste anzeigen´ in der Systemsteuerung unter `Sounds und Audiogeräte´.
Schließlich sollte man noch einen Blick in die `Benutzerkonten´ in der Systemsteuerung werfen. Selbst wer nicht freiwillig zu Gunsten erhöhter Sicherheit auf einige Rechte verzichten und dazu ein zusätzliches eingeschränktes Benutzerkonto einrichten will [2], sollte hier zumindest ein Kennwort für das genutzte Konto vergeben. Sonst verweigert Windows gelegentlich ohne jeden Hinweis den Dienst, indem es beispielsweise freigegebene Ordner im Netzwerk einfach nicht anzeigt oder auch automatische Backup-Aufträge schlicht ignoriert.
Das Anlegen einer Sicherheitskopie des kompletten XP schließt das Warmlaufen ab. Die Auswahl der Methode ist hier zweitrangig und sei jedem selbst überlassen, ich empfehle jedoch das Anlegen eines Images (siehe vorangehender Artikel). (axv)
[1] Axel Vahldiek, Blitzkonfiguration, Windows-Tipps per Mausklick umsetzen, c't 8/02, S. 106
[2] Axel Vahldiek, Selbstbeschränkung, Windows XP sicher nutzen, c't 11/02, S. 138