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Axel Vahldiek, Christoph Hoppe

Mit erhöhter Schlagzahl

Tipps und Tricks für Windows XP auf dem Prüfstand

"Windows schneller machen" ist ein beliebter Volkssport, und es steht außer Frage, dass selbst das moderne XP bei längerem Gebrauch immer "zäher" reagiert. Dagegen kann und sollte man etwas tun - allerdings kursieren mittlerweile etliche Tipps, durch deren Anwendung man im besten Fall seine Zeit verplempert, im schlimmsten Fall sein System gefährdet. Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Unterthema: So haben wir gemessen
Unterthema: Messergebnisse im Überblick

Es gibt kein perfektes PC-Betriebssystem, weder von Microsoft noch aus der Linux-Gemeinde noch von Apple oder sonst wem, und angesichts der Komplexität und Modellvielfalt heutiger PCs wird das wohl auch niemand ernsthaft erwarten. Selbst wenn die Programmierer ihr Bestes geben, müssen sie doch an vielen Stellen Kompromisse eingehen, die dann mitunter zu Lasten des Tempos gehen. Das lässt Raum für vielfältige Versuche, das Betriebssystem selbst an den eigenen PC anzupassen und so das Tempo zu steigern.

Bei Linux stellt das kein Problem dar, denn hier kann jeder mitprogrammieren, der Spaß dran hat. Anders bei Windows: Dessen Quellcode hält Microsoft unter Verschluss, und eine wirklich ausführliche Dokumentation ist nirgends zu finden. Also bleibt nur das Ausprobieren der vielen unter XP vorhandenen Stellschrauben in der Hoffnung, dass die eine oder andere was bringt.

Welche Stellschrauben es überhaupt gibt, versuchen diverse Tipp-Sammlungen zu vermitteln. Doch mitunter kombinieren sie sinnvolle Tipps mit nutzlosen oder gar gefährlichen. Zudem verschwinden die tausenden von Tipps, die kursieren, bei genauerer Betrachtung in einer Hand voll Schubladen: Windows abspecken, Dienste abstellen, Registry-Hacks, Animationen abschalten - um nur einige zu nennen. Im Folgenden mussten wir folglich auch nicht tausende Tipps einzeln durchprobieren, sondern haben stets ganze Schubladen voller Tipps auf den Prüfstand gestellt.

Dieser Artikel widmet sich jenen Tipps, die Windows XP ganz allgemein im laufenden Betrieb zu mehr Tempo verhelfen sollen. Die nachfolgenden Artikel beschäftigen sich mit Tipps zum schnelleren Booten von XP (S. 112) und zum Optimieren des Umgangs mit dem Arbeitsspeicher (S. 116). Eine Sammlung von Tricks, die Windows nicht schneller laufen lassen, sondern stattdessen dem Anwender bestimmte Handgriffe beim Umgang mit dem System erleichtern, hat c't bereits in einem früheren Artikel vorgestellt [1].

Ein kurzer und knackiger Tipp für mehr Geschwindigkeit lautet: Defragmentieren Sie Ihre Festplatte. So einfach das klingt, so schwierig ist der tatsächliche Nutzen zu bewerten, zumal es außer der Windows-eigenen Defragmentierung etliche Anbieter kommerzieller Defragmentierungssoftware gibt. Wir werden diesem Thema daher demnächst einen eigenen Artikel widmen und halten hier vorab nur fest: Defragmentieren kann in bestimmten Einzelfällen sehr viel bringen, in anderen wiederum so gut wie gar nichts. Es schadet also nichts, den Rechner damit gelegentlich zu betrauen, wenn er nichts Besseres zu tun hat.

Spürbar oder messbar

Um festzustellen, ob ein Tipp Windows XP wirklich beschleunigt, reicht die menschliche Wahrnehmung allein nicht immer aus. So wird beispielsweise ein zu geringer Geschwindigkeitszuwachs üblicherweise überhaupt nicht bemerkt: Es ist letztlich egal, ob ein Programm 10 oder 9,5 Sekunden zum Erledigen einer Aufgabe braucht. Doch auch ein deutlicher Zuwachs hilft nicht immer: Wenn ein Programm etwas in zwei statt vier Millisekunden erledigt, ist es damit zwar nominell doppelt so schnell, doch der Anwender bekommt davon nichts mit. Ähnliches gilt, wenn etwa ein Spiel mit 200 statt 150 Frames pro Sekunde läuft, auch hiervon merkt der Anwender nichts. Ob solche kaum wahrnehmbaren Optimierungen der Mühe wert sind, sei dahingestellt. Immerhin bekommt man durch sie vielleicht Reserven und kann etwa die Auflösung steigern und mehr Grafikdetails aktivieren.

Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: Mitunter nehmen Anwender eine Geschwindigkeitssteigerung wahr, obwohl sich nachweislich nichts geändert hat. Hierbei handelt es sich dann um einen Placebo-Effekt: Wenn man nur fest genug dran glaubt, wird sich Windows schneller anfühlen, obwohl es nachweislich mit unverändertem Tempo läuft.

Um solchen Problemen aus dem Weg zu gehen, haben wir diverse Benchmark-Programme bemüht - wenn ein Tipp Windows wirklich im Ganzen beschleunigt, sollte sich das messen lassen. In der Tabelle auf Seite 110 finden Sie die Messergebnisse.

Allgemein nimmt man Änderungen der Messwerte erst ab rund 25 Prozent auch subjektiv wahr. Dennoch führen wir gemessene Änderungen bereits ab fünf Prozent in der Tabelle auf, denn in Grenzsituationen kann schon eine kleinere Steigerung etwa den Unterschied zwischen ruckelndem und flüssig ablaufendem Video oder Spiel ausmachen. Messergebnisse, die unterhalb der 5-Prozent-Hürde lagen, bleiben außen vor, denn sie sind einerseits sowieso nicht mehr spürbar und andererseits besteht hier die Gefahr, auf Messungenauigkeiten hereinzufallen. Mehr zu den Messmethoden lesen Sie im Kasten auf Seite 108.

Ausschalten

Die Geschwindigkeit, mit der Windows und die laufenden Programme arbeiten, wird von der zur Verfügung stehenden Rechenpower des PC limitiert - schneller geht halt nicht. Wenn aber Windows im Laufe der Zeit immer mehr lahmt, liegt es nicht an qualitativ nachlassender Hardware, sondern daran, dass sich immer mehr simultan laufende Programme die nur begrenzt vorhandene Rechenleistung miteinander teilen müssen.

So belegt jedes laufende Programm eine gewisse Menge des Arbeitsspeichers. Zwar räumt Windows bei Bedarf Teile des RAM wieder frei, indem es Daten auf die Festplatte auslagert, doch das scheitert bei jenen Daten, die von Programmen als "nicht auslagerbar" markiert wurden. Je mehr Arbeitsspeicher aber von bestimmten Programmen belegt ist, umso weniger RAM bleibt für die anderen. Das kann dann zu längeren Nachlade- und damit zu unangenehmen Wartezeiten führen (mehr zur Speicherverwaltung auf S. 116).

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Je mehr Programme im Hintergrund laufen, umso weniger Rechenleistung bleibt für die, die der Anwender gerade braucht.

Auch für den Prozessor gilt: Je mehr er zu tun hat, umso weniger Zeit bleibt für jedes einzelne Programm. Zwar verursacht eine im Hintergrund auf Tastatureingaben wartende Textverarbeitung kaum Prozessorlast, doch bei einem im Hintergrund aktiven Download sieht das schon anders aus: Der schaufelt ständig neue Daten auf die Platte, die der Virenscanner dann auch noch mühsam überprüfen muss.

Der Tipp zum Beschleunigen von Windows lautet folglich ganz banal: Beenden Sie alle gerade nicht benötigten Programme.

Damit sind auch jene Programme gemeint, die nicht in einem eigenen Fenster laufen, sondern lediglich über ein kleines Symbol im Infobereich der Taskleiste (neben der Uhr) ihre Präsenz zeigen - hier fördert oft ein Rechtsklick darauf ein Kontextmenü mit einem Menüpunkt wie "Beenden" zutage. Einzige Ausnahmen sind die sicherheitsrelevanten Programme wie Virenscanner und Firewall, die Sie keinesfalls beenden sollten, falls der Rechner via Internet oder Netzwerk mit anderen Rechnern verbunden ist.

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Viele Dienste laufen nur, wenn andere auch laufen. So startet die Firewall nur, wenn vier weitere Dienste ebenfalls aktiv sind.

So banal der Tipp ist, so erfolgreich ist er auch: Auf unseren Testrechnern zeigten sich deutliche Geschwindigkeitssteigerungen. Vor allem bei einem langsamen PC war einiges rauszuholen, alle Benchmark-Programme zeigten Tempozuwächse zwischen neun und 22 Prozent. Auf dem schnellen PC fiel die Steigerung nicht ganz so deutlich aus: Offenbar können die vorhandenen Reserven einiges abfangen.

Auf Dauer aus

Dass das Beenden überflüssiger Programme auf unseren Testrechnern so viel brachte, liegt nicht daran, dass wir zuvor so viele gestartet hätten. Vielmehr beendeten wir Programme, die Windows selbst bereits beim Hochfahren startete. In einigen Fällen ist ein solcher Autostart auch durchaus sinnvoll, etwa bei Virenscanner und Firewall, doch die meisten anderen sind überflüssig. So gibt es keinen Grund, bereits während des Systemstarts Hilfsprogramme etwa für Office-Pakete, Media-Player oder Bildbearbeitung zu laden, von denen der Anwender nicht weiß, ob er sie überhaupt braucht.

Der nächste Tipp lautet folglich, alle überflüssigen Autostarts zu unterbinden. Das erspart nicht nur das Beenden von Hand, sondern sollte sogar noch etwas mehr Rechenleistung freischaufeln: Sie erwischen damit auch jene Programme, die weder in einem Programmfenster laufen noch über ein Symbol in der Taskleiste ihre Anwesenheit anzeigen und sich daher nicht ohne weiteres beenden lassen. Die Messungen bestätigen, dass so tatsächlich noch einige zusätzliche Prozentpunkte Leistungssteigerung drin sind.

Unter Windows XP führt der einfachste Weg über das Systemkonfigurationsprogramm, das nach Eingabe von "msconfig" im Startmenü unter Ausführen startet. Hier lohnt ein Blick auf alle unter "Systemstart" eingetragenen Autostarts. Wieder gilt, dass Virenscanner und Firewall anbleiben sollten. Alles andere hingegen können Sie kurzerhand ausschalten, erst recht, wenn Sie nicht wissen, was es ist: Windows braucht nichts davon. Selbst wenn ein Eintrag den Eindruck zu erwecken versucht, dass er für das Funktionieren einer Hardware erforderlich sei: Es stimmt nicht. Solche Autostarts laden lediglich Konfigurationsprogramme etwa für den Drucker oder die Grafikkarte, die überflüssig sind, sobald die Hardware erst mal konfiguriert ist. Außerdem lassen sich diese Programme auch alle manuell starten. Sollten Sie im Startmenü keine entsprechende Verknüpfung finden, können Sie die selbst erstellen: Geben Sie dazu als Zielpfad den Aufruf an, der als Autostart vermerkt ist.

Das Deaktivieren überflüssiger Autostarts hat übrigens weitere Vorteile, die jedoch nicht mit einem Benchmark-Programm zu messen sind: Mit jedem weiteren laufenden Programm steigt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass es durch Programmfehler oder durch Unverträglichkeiten zweier Programme untereinander zu Problemen kommt. Außerdem wächst die Gefahr, dass ein Angreifer eine vielleicht vorhandene Sicherheitslücke ausnutzt. Und das Beseitigen solcher Phänomene kostet letztlich mehr Zeit, als Sie mit jeder anderen Beschleunigungsmaßnahme gewinnen können.

Dienstbare Geister

Es gibt unter Windows eine spezielle Art von im Hintergrund arbeitenden Programmen, die so genannten Dienste. Ein Blick in die Computerverwaltung unter "Dienste" zeigt unter einem Windows XP mit Service Pack 2 fast 80 Einträge. Wenn das Abschalten der Autostarts etwas bringt, könnte doch für die Dienste das Gleiche gelten, und so lautet ein weit verbreiteter Tipp: "Schalten Sie überflüssige Dienste ab". Klingt vernünftig, doch wie identifiziert man überflüssige Dienste? Und was ist ein Dienst überhaupt?

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Unter Windows XP sind rund 80 Dienste installiert, viele davon laufen überflüssigerweise. Doch auf welche man tatsächlich verzichten könnte, weiß nur Microsoft ganz genau.

Grob vereinfacht ist ein Dienst nichts anderes als ein Programm (und mit den passenden Hilfsmitteln kann jedes Programm auch als Dienst laufen [2]). Im Unterschied zu anderen Programmen sind aber vor allem die bordeigenen Dienste üblicherweise für bestimmte Systemfunktionen oder für andere Programme Voraussetzung. Mit anderen Worten: Mit jedem abgeschalteten Dienst reduziert sich die Zahl der zur Verfügung stehenden Funktionen, was nicht nur Windows, sondern unter Umständen auch Anwendungsprogramme einschränkt.

Welche Funktionen ein Dienst erfüllt, ist vor allem bei den bordeigenen schwer zu sagen, denn bei allen anderen kann man über den angezeigten Pfad oder Namen auf das Programm schließen, dem es dient, und so auch auf deren Funktion. Und wenn nicht, kann man sie ohne Gefahr für die Stabilität des Systems ausschalten, lediglich Virenscanner und Firewall sollten aus Sicherheitsgründen anbleiben.

Bei den bordeigenen Diensten ist es nicht so einfach, denn sie sind mitunter für viele wichtige Systemfunktionen Voraussetzung, ohne dass aber Microsoft verraten würde, welche Aufgaben sie denn nun genau erledigen. Lediglich in der Computerverwaltung unter Dienste sind einige Kurzbeschreibungen zu finden, die allerdings nicht immer weiterhelfen. Als typisches Beispiel mag der Dienst "Designs" dienen, Beschreibung: "Stellt die Designverwaltung zur Verfügung". Das weckt die Erwartung, dass nach dem Deaktivieren des Dienstes der Menüpunkt "Designs" in der Systemsteuerung unter Anzeige verschwindet, der ja eben der Verwaltung der Designs dient. Doch stattdessen stellt XP nach dem Deaktivieren Fenster und Taskleiste nicht mehr in der blauen Luna-Optik, sondern wie unter Windows 2000 dar.

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In der Computerverwaltung können Sie Dienste für bestimmte Hardwareprofile deaktivieren.

Auch auf den Websites von Microsoft ist keine vollständige Übersicht über die Aufgaben der Dienste zu finden. Zwar gibt es kurze Zusammenfassungen etwa im "Threats and Countermeasures Guide" (siehe Soft-Link), doch auch hier fehlen viele Details. Das ist ärgerlich, andererseits allerdings auch kaum verwunderlich, denn bei vielen Diensten ist eine Beschreibung in Kurzform schlicht nicht möglich - c't hat mit der Beschreibung einzelner Dienste schon komplette Artikel gefüllt und selbst dabei wahrscheinlich nicht immer alle Seitenaspekte behandelt.

Beispiele dafür sind die Dienste "Arbeitsstationsdienst", "Computerbrowser" und Server [3], "Indexdienst" [4], "Intelligenter Hintergrundübertragungsdienst" [5], "Nachrichtendienst" [6], "NetMeeting-Remotedesktop-Freigabe" [7], "Sekundäre Anmeldung" [8], "Systemwiederherstellungsdienst" [9] und "Verwaltung für automatische RAS-Verbindung" [10]. Andere Artikel beschäftigten sich zwar nicht direkt mit Diensten, wohl aber mit den vielfältigen Funktionen, die darauf aufbauen und von denen man vor dem Abschalten wissen sollte: So bauen die Mechanismen "Autorun" und "Autoplay" auf dem Dienst "Shellhardwareerkennung" auf [11]. Für mehr Sicherheit sollen die Windows-Firewall, die automatischen Updates sowie das Sicherheitscenter sorgen [12], die alle auf gleichnamigen Diensten fußen. Wenn Windows online nach der richtigen Uhrzeit sucht [13], dann steckt der "Windows-Zeitgeber" dahinter, und wer sich von anderen aus der Ferne helfen lassen möchte, braucht für die Remote-Unterstützung den "Sitzungs-Manager für Remotedesktophilfe" [14].

Die Fülle der Informationen, die es zu manchen Diensten gibt, führt dazu, dass es nicht möglich ist, mal eben eine Übersicht aller Dienste in eine Tabelle zu packen - selbst bei einer nur stichwortartigen Beschreibung würde der Platz nicht ausreichen, um ausreichend Anhaltspunkte für eine Entscheidung für oder gegen das Abschalten geben zu können. Hinzu kommt, dass selbst bei einer noch so gründlichen Analyse eines Dienstes nicht auszuschließen ist, dass dabei irgendeine Nebenwirkung übersehen wird - letztlich kennt nur Microsoft alle Details, und die rückt der Softwareriese abgesehen von mehr oder minder großen Informationsbröckchen nicht raus.

Diskussionsbedarf

Doch selbst wenn man sich sicher sein sollte, dass man auf die Funktionen verzichten kann, die ein Dienst zur Verfügung stellt, sollte man vor dem Abschalten einige weitere Aspekte bedenken.

Gegen das Abschalten spricht, dass Programmierer ihre Produkte oft auf Systemen testen, auf denen Windows in der Standardkonfiguration läuft, also mit diversen angeschalteten Diensten. Dadurch steigt das Risiko, dass ein Programm fehlerhaft oder zumindest nicht wie beabsichtigt arbeitet, wenn einige Dienste fehlen, denn solche Konfigurationen blieben ungeprüft.

Ebenfalls gegen das Abschalten spricht, dass es mitunter Probleme nach sich zieht, die sich deutlich leichter verursachen als lösen lassen. Denn oft verrät ein die Arbeit verweigerndes Programm nicht, welcher Dienst ihm fehlt. Nicht einmal Windows selbst zeigt sich hier immer auskunftsfreudig, stattdessen mosert das System nur allgemein über "Konfigurationsfehler", "interne Systemfehler" oder meldet: "Der angegebene Dienst kann nicht gestartet werden".

Doch selbst wenn der Dienst benannt ist, kann es noch Probleme geben, denn es existieren zwischen den Diensten verschiedene Abhängigkeiten, die nicht immer logisch erscheinen. Beispiel "Ereignisprotokoll": Laut Beschreibung ermöglicht dieser Dienst "die Ansicht von Ereignisprotokollmeldungen von Windows-basierten Programmen und Komponenten in der Ereignisanzeige". Klingt so, als könnte man vielleicht darauf verzichten. Umso überraschender wirkt daher der Rest der Beschreibung: "Dieser Dienst kann nicht beendet werden". Den Grund erfährt man erst, wenn man den Abhängigkeiten des Dienstes nachgeht: Unter anderem ist der Dienst "Ereignisprotokoll" für die bordeigene Firewall erforderlich. Und die sollte tatsächlich auf jeden Fall an bleiben.

So lassen!

Es gibt weitere Dienste, bei denen sich die Frage nach dem Abschalten gar nicht erst stellt. Das gilt unter anderem für jene, die sowieso nicht laufen, aber auch für jene, die nur dann aktiv sind, wenn es auch tatsächlich nötig ist. So startet beispielsweise der "Verwaltungsdienst für die Verwaltung logischer Datenträger" erst dann, wenn Sie in der Computerverwaltung die Datenträgerverwaltung öffnen - und wenn Sie sie schließen, beendet XP auch den Dienst wieder. Diesen Dienst von Hand zu deaktivieren, schaufelt also keine Rechenleistung frei, sondern verursacht höchstens Probleme. Sollte ein Dienst in der Computerverwaltung unter Dienste den Autostarttyp "Manuell" aufweisen und dennoch laufen, dann benötigt ihn irgendein anderes Programm oder ein Dienst. Statt den Dienst zu deaktivieren, sollten Sie dann besser auf die Suche nach dem automatisch gestarteten Programm gehen, das den Dienst braucht. Leider hilft hier wirklich nur ausprobieren: Falls Sie auf das Programm verzichten können, entfernen Sie den Autostart. Dann sollte beim nächsten Hochfahren auch der Dienst nicht mehr starten - sonst braucht ihn noch ein anderes Programm.

Als Kandidaten zum Dranrumspielen kommen also nur jene Dienste in Frage, deren Starttyp in der Computerverwaltung unter Dienste auf "Automatisch" steht. Doch auch von jenen eignet sich nicht jeder, denn einige sind unverzichtbar. Allen voran ist hier die bereits erwähnte Firewall zu nennen, die auf jedem XP angeschaltet sein sollte, sofern der Rechner mit irgendeinem Netzwerk oder dem Internet verbunden ist und keine andere Firewall zum Einsatz kommt. Das bedeutet aber auch, dass die Dienste "Ereignisprotokoll", "Netzwerkverbindungen", "Remoteprozeduraufruf (RPC)" und "Windows-Verwaltungsinstrumentation" anbleiben müssen.

Unbedingt aktiv bleiben sollte auch der Dienst "Automatische Updates", denn Kriminelle nutzen frisch entdeckte Sicherheitslücken immer schneller aus, um Ihnen Schädlingsprogramme unterzuschieben. Meist stellt Microsoft einige Zeit nach dem Entdecken der Lücke einen Patch bereit, der das Problem behebt - aber natürlich nur, wenn er auch eingespielt wird. Klar, man kann selbst täglich nachsehen, ob neue Patches bereitstehen, doch die Erfahrung lehrt, dass es mit solchen Tätigkeiten ähnlich wie mit dem Anfertigen eines Backup abläuft: Es unterbleibt nach einiger Zeit, wenn es nicht automatisch passiert. Daher die dringende Empfehlung: Lassen Sie diesen Dienst an und hören Sie keinesfalls auf Unfug wie "Internet-Updates müllen den Rechner zu". Wer solche Äußerungen von sich gibt, vergisst, dass die über die offen gebliebenen Sicherheitslücken eindringenden Schädlingsprogramme die Festplatten viel mehr zumüllen und zudem mehr Rechenleistung kosten als das gelegentliche Überprüfen, ob es aktuelle Patches gibt.

Wer Angst davor hat, dass Windows Update persönliche Daten an Microsoft überträgt, sollte bedenken, dass es bis heute keinen einzigen Beweis dafür gibt, dass XP Sie ausspioniert (zwar hat Microsoft in der Vergangenheit einiges für diesen Ruf getan, aber offenbar arbeiten auch in Redmond lernfähige Menschen). Diese Befürchtung ist auch kein Grund, die von Microsoft bereitgestellten Patches stattdessen von einer anderen Download-Seite herunterzuladen, denn dort wird Ihnen niemand garantieren, dass die Patches nicht versehentlich oder absichtlich verändert wurden. Doch selbst wenn nicht, bekommen Sie dort letztlich auch nicht mehr als die Original-Patches, die aber womöglich später und in geballter Ladung, sodass Sie mehr Patches installieren, als eigentlich erforderlich ist.

Wichtig ist auch die "Sekundäre Anmeldung", denn nur damit lässt sich beim Arbeiten mit eingeschränkten Nutzerrechten [15, 16] bei Bedarf ein Programm mit Admin-Rechten starten. Des Weiteren schadet es nichts, das Sicherheitscenter anzulassen: Es bietet zwar keinen Schutz vor einem Angriff, macht aber auf Fehlkonfigurationen aufmerksam, etwa wenn Sie versehentlich die Firewall oder den Virenscanner deaktivieren.

Andere Dienste sind zwar nicht unbedingt sicherheitsrelevant, aber dennoch nützlich. So kommt nur dann Sound aus den Lautsprecherboxen, wenn "Windows Audio" läuft. Der Taskplaner ist für den Prefetch-Mechanismus erforderlich, ohne den das Booten und das Starten von Anwendungen länger dauert (siehe S. 112). Auch die "Überwachung verteilter Verknüpfungen (Client)" ist praktisch: Verschiebt man eine Datei auf einem NTFS-Laufwerk, aktualisiert der Dienst alle Verknüpfungen, die darauf verweisen.

Was bringts denn nun?

Angesichts der Komplexität des Themas Dienste stellt sich die Frage, ob der Aufwand überhaupt lohnt. Um das nachzumessen, haben wir kurzerhand alle Dienste deaktiviert, mit Ausnahme des "Remoteproceduraufruf (RPC)", der sich unter XP nicht deaktivieren lässt. Daraufhin lief Quake 3 bei einer Auflösung von 1024 x 800 tatsächlich um wenige Prozentpunkte schneller, die anderen Benchmark-Programme zeigten keine Änderungen der Messergebnisse - sofern sie überhaupt liefen: Die BAPCo-Suite startet bei abgeschalteten Diensten gar nicht erst (und das kann Ihnen mit vielen anderen Programmen genauso gehen).

Der Geschwindigkeitsgewinn ist also gering. Andererseits kann es bei bestimmten Spielen halt doch der entscheidende Temposchub zum Beseitigen des Ruckelns sein. Und es gibt ein weiteres Argument für das Abschalten überflüssiger Dienste: Die Befürworter des Abschaltens verweisen zu Recht darauf, dass jeder überflüssigerweise laufende Dienst ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellt. So machten gerade erst die "Terminaldienste" von sich reden: Sie sind Voraussetzung für den Fernzugriff via Remote-Desktop, und wenn er läuft, können Angreifer einen Absturz oder Neustart provozieren - das dazu noch nötige Loch in der Firewall bohrt Windows XP beim Konfigurieren des Remote-Desktop automatisch.

Was tun?

Unsere Empfehlung lautet: Lassen Sie die Dienste so, wie sie sind, denn nur damit können Sie sich die vielfältigen Probleme vom Hals halten. Richten Sie sich stattdessen ein zusätzliches Hardware-Profil als Sicherungskopie ein. Dort können Sie nach Lust und Laune Dienste deaktivieren (natürlich mit Ausnahme der sicherheitsrelevanten, die bitte anlassen!). Wenn nach dem Rumspielen etwas nicht mehr klappt und Sie nicht weiterwissen, können Sie das Profil wieder löschen und von vorn beginnen. Das Vorgehen ist relativ einfach: In der Systemsteuerung unter System/Hardware/Hardwareprofile klicken Sie auf Kopieren, um das aktuelle Profil zu duplizieren - welchen Namen Sie für das Profil vergeben, ist egal. Anschließend haben Sie bei jedem Systemstart die Auswahl zwischen den beiden Profilen.

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Das Erstellen eines zusätzlichen Hardwareprofils erlaubt das gefahrlose Herumspielen an den Diensten.

Allerdings sollten Sie die Dienste keinesfalls mit Msconfig deaktivieren, denn das gilt dann stets für alle Profile. Nutzen Sie stattdessen die Computerverwaltung. Hier können Sie in den Eigenschaften eines Dienstes unter Anmelden den Dienst für einzelne Profile deaktivieren. Einige Dienste lassen sich nicht profilweise deaktivieren, etwa das "Ereignisprotokoll" oder "Plug & Play".

Datenbankdiät

"Eine kleine, fehlerfreie Registry ist Voraussetzung für ein schnelles Betriebssystem", so zumindest ist es immer wieder zu lesen, und diverse Tippgeber spendieren Download-Links zu Programmen, die die Registry aufräumen sollen. Da gilt es nachzuprüfen, was das bringt.

Starten wir mit dem "klein": Wenn die Empfehlung lautet, dass das Reduzieren der Größe der Registry mehr Tempo bringt, dann müsste umgekehrt eine maßlos aufgeblasene Registry als Bremse wirken. Um das nachzumessen, haben wir kurzerhand an diversen Stellen Unmengen an zusätzlichen Schlüsseln und Einträgen eingefügt, sodass die Registry schließlich rund 256 MByte groß war, also genauso groß wie der Arbeitsspeicher des langsameren Testrechners. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Es gab keine messbaren Unterschiede, Windows war das schlicht egal.

Der Grund dafür ist der Aufbau der Registry, die ja eine große Datenbank ist, deren Inhalt sich auf mehrere Dateien ("Hives") auf der Festplatte verteilt [17]. In dieser Datenbank kann Windows ebenso wie jedes andere Programm beliebige Einträge erstellen, verändern oder auswerten. Die Betonung liegt hierbei auf "kann". Denn alle Einträge, von denen Windows nichts weiß, werden stillschweigend ignoriert, und alle anderen Programme machen es genauso.

Leider gibt es immer wieder Witzbolde, die diesen Umstand ausnutzen und dazu auffordern, irgendwelchen Nonsens in die Registry einzutragen, damit Windows schneller oder sicherer oder sonst was würde. Richtig skurril wird es, wenn solche Tipps dann weitergegeben werden mit dem Hinweis "toller Tipp, und das System läuft trotzdem genauso stabil wie vorher!" - ja sicher, wie sonst?

Der Hauptgrund dafür, dass das Aufräumen der Registry unter Windows XP kein zusätzliches Tempo bringt, liegt an der Art, wie XP die Registry in den Arbeitsspeicher lädt. Während Windows 2000 sie noch komplett geladen hat, blendet XP nur noch die Teile der Registry, auf die es gerade zugreifen muss, in 16 KByte kleinen Blöcken in den Speicher ein. Zudem verwendet es von diesen nur eine begrenzte Anzahl (256 pro Hive) - ist die überschritten, wirft XP die jeweils ältesten wieder raus. Selbst bei einer extremen Anzahl von Registry-Zugriffen gibt es also eine Obergrenze, bis zu der die Registry Arbeitsspeicher belegt und ihn damit für andere Programme blockieren kann.

Schlüsseldienst

Der zweite Aspekt des Tipps betrifft die Fehlerfreiheit der Registry. Das ist natürlich wünschenswert, denn wenn Windows oder ein Programm einen Registry-Schlüssel auswerten möchte und dabei scheitert, kann das zu Problemen bis hin zum Absturz führen. Ursachen dafür können etwa sein, dass ein Eintrag einen unerwarteten Wert aufweist, dass er fehlt oder auch, dass die Rechte zum Auslesen oder Beschreiben falsch gesetzt sind. In solchen Fällen hängt es dann vom Programmierer ab, ob seine Anwendung darauf fehlertolerant reagiert.

Es ist daher kaum möglich, mal eben pauschal die Registry von fehlerhaften Einträgen zu befreien. Seien Sie also misstrauisch, wenn Ihnen jemand ein Programm empfiehlt, das genau das erledigen soll - es gibt einfach viel zu viele Stolperfallen in viel zu vielen Programmen, als dass es die alle kennen könnte.

Das einzige Vorgehen, das in einer solchen Situation überhaupt erfolgversprechend sein kann (aber nicht muss), ist das Zurückstellen möglicherweise fehlerhafter Einträge auf ihren Ursprungswert. Dafür benötigen Sie keine zusätzliche Software, denn die Systemwiederherstellung von XP erfüllt genau diese Aufgabe. Sie fertigt - sofern der Dienst läuft und das Systemlaufwerk überwacht - automatisch in bestimmten zeitlichen Abständen und bei wichtigen Ereignissen eine Sicherungskopie der Registry an, zu der Sie später zurückkehren können.

Sollte der Ernstfall eintreten, stellt die Systemwiederherstellung auch sicher, dass die Rückkehr zu einem früheren Stand keine Einbahnstraße ist, sondern dass Sie bei Bedarf auch zum fehlerhaften Zustand zurückkehren können, um einen anderen Lösungsansatz auszuprobieren (mehr zu solchen Strategien in [18]). Damit ist sie um ein Vielfaches bequemer als irgendwelche Programme von Dritt-Anbietern zum Beheben von Registry-Problemen. Und noch einen Vorteil hat die Systemwiederherstellung: Registry-Probleme mal eben per Mausklick lösen zu können, führt über kurz oder lang tatsächlich zu einem spürbaren Zeitgewinn.

Platz da

Einer der häufigsten Tipps ist, man möge doch möglichst viele unnötige Dateien auf der Festplatte löschen, damit Windows wieder so richtig schnell werde. Und dann folgen üblicherweise diverse Empfehlungen, was genau man denn alles löschen solle, beispielsweise doppelte, temporäre und Hilfe-Dateien, überflüssige Windows-Komponenten, nicht benötigte Schriftarten, die Uninstall-Verzeichnisse der Windows-Updates und vieles mehr, und überhaupt sollte doch bitte mindestens ein Drittel der Platte freibleiben, das sei ja schließlich die "erste Grundregel" beim Beseitigen der "Performance-Hämmer".

Zum Nachprüfen haben wir die Systempartitionen der Testrechner so weit mit Dateien gefüllt, dass die Benchmark-Programme gerade noch ausreichend Platz zum Laufen hatten. Die überflüssigen Daten packten wir alle in verschiedene Systemordner, unter anderem installierten wir rund 1500 Schriftarten. Und das brachte ein eindeutiges Ergebnis: Egal, wie voll die Platte war, die Rechner waren stets gleich schnell.

Das verwundert wenig, denn das einzige, was überhaupt an einer vollen Platte Zeit kosten könnte, ist die Wartezeit, bis der Lesekopf bei einer Datei angelangt ist. Doch deren Länge hängt nicht vom Füllstand der Platte, sondern von der Lage der Dateien auf ihr ab. Und die ändert sich nicht durch das Löschen anderer Dateien auf der Platte, sondern nur durch ein Umverteilen der Daten etwa mit einem Defragmentierer.

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Platte voll - na und? Windows läuft trotzdem mit unveränderter Geschwindigkeit.

Dennoch haben die Tipps einen wahren Kern, denn es gibt Situationen, in denen eine volle Platte das Arbeiten tatsächlich bremst oder gar stoppt: So brauchen viele Programme Plattenplatz zum Ablegen temporärer Dateien. Wenn Sie beispielsweise ein Textdokument bearbeiten, dann speichert die Textverarbeitung Ihre Änderungen in einer temporären Datei und überträgt sie erst dann in das Dokument, wenn Sie auf "Speichern" klicken. Fehlt der Platz zum Anlegen der temporären Datei, kommt es zu Problemen. Noch mehr Platz beanspruchen etwa Brennprogramme zum Ablegen temporärer CD- oder DVD-Images oder auch Videoschnittprogramme. Außerdem benötigt man stets etwas Platz für aus dem Internet heruntergeladene Daten (Mails, Musik etc.), für die Log-Dateien des Systems und der Anwendungen und auch, wenn man mal ein neues Programm installieren möchte.

Hieraus jedoch eine Faustregel der Sorte "Ein Drittel Platz soll frei bleiben" abzuleiten, geht an der Realität vorbei. Denn das würde ja bedeuten, dass die Programme auf einer 60-GByte-Platte weniger Platz zum Arbeiten bräuchten als auf einer 400-GByte-Festplatte. So schön es also wäre, mal eben eine solche Regel aufstellen zu können, es geht nicht: Wie viel Platz man braucht, hängt nicht von der Plattengröße, sondern nur von der eingesetzten Software ab, und die unterscheidet sich von Nutzer zu Nutzer.

Falls der Platz auf Ihrer Platte nicht ausreicht, sollten Sie aber gar nicht erst damit anfangen, irgendwelche nur wenige KByte kleinen Hilfe-Dateien zu löschen oder wegen weniger MByte Windows-Komponenten zu entfernen, die Sie womöglich später vermissen. Stattdessen gibt es andere Wege, die deutlich effektiver sind, etwa den Umzug der Auslagerungsdatei sowie der Temp-Ordner auf eine andere Partition [19]. Auch das Verschieben der "Eigenen Dateien" (im Kontextmenü dieses Ordners unter Eigenschaften) auf eine spezielle Daten-Partition schafft Platz und erleichtert zudem die Datensicherung [20], die beim System besser per Imaging-Software [21], bei den persönlichen Daten hingegen per Datei-Backup erfolgen sollte [22]. Wer mag, kann auch diverse Ordner auf optische Datenträger wegbrennen. In Frage kommen etwa die im Windows-Ordner liegenden Verzeichnisse "Driver Cache" oder "System32\dllcache". Wenn Windows später hieraus Dateien braucht, kann man die CD einlegen. Tatsächlich überflüssig sind oft jene Ordner im Windows-Verzeichnis, die alle irgendwie $NtUninstallKB123456$ oder $NtServicePackUninstall$ heißen. Sie dienen dazu, ein Service Pack oder einen Patch bei Bedarf wieder deinstallieren zu können. Wer nicht drauf verzichten mag, kann sie ebenfalls wegsichern. Weitere Tipps zum Reduzieren der Datenmenge auf der Systempartition, ohne dass Windows dabei Funktionen einbüßt, finden Sie in [23].

Kurztipps

Es gibt noch viele weitere Tipps zu Windows, die das System irgendwie schneller machen sollen. Beliebt ist etwa der Tipp, in der Systemsteuerung unter System/Erweitert/Systemleistung den Punkt "Für optimale Leistung anpassen" auszuwählen. Was klingt, als würde es Windows pauschal beschleunigen, hat letztlich nur optische Auswirkungen: Der Schalter deaktiviert die Luna-Oberfläche sowie die diversen Effekte beim Aufklappen von Fenstern und Menüs. In der Tat fühlt sich Windows XP anschließend schneller an, denn der Anwender braucht nicht mehr dabei zuzusehen, wie ein Menü langsam aufrollt. Damit ist diese Beschleunigung durchaus spürbar - aber nicht messbar: Die Benchmark-Programme zeigten sich durchweg unbeeindruckt. Offenbar geht bei ihnen das Öffnen eines Menüs als eine Aktion unter tausenden schlicht im Rauschen unter. Letztlich bleibt es also Geschmackssache, wie Sie XP einstellen.

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"Für optimale Leistung anpassen" hat nur optische Auswirkungen. Die sind spürbar, aber nicht messbar.

Das Gleiche gilt auch, wenn Sie im Registry-Schlüssel HKEY_CURRENT_USER\Control Panel\Desktop der Zeichenfolge "MenuShowDelay" den Wert "0" zuweisen. Anschließend klappen Menüs ohne jede Verzögerung auf, was wiederum spürbar, aber nicht messbar ist. Wer es lästig findet, dass Windows bei jedem Überfahren eines Untermenüs sofort die darin enthaltenen Icons zusammensucht, setzt den Wert etwas höher, etwa auf 50.

Ein anderer Tipp betrifft den Umgang mit verschlüsselten Dateien: Sobald Sie eine öffnen wollen, prüft Windows anhand eines Zertifikats, ob Sie dazu überhaupt berechtigt sind. Der Inhalt eines normalerweise nicht vorhandenen DWORDs "KeyCacheValidationPeriod", der in der Registry unter "HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\EFS\CurrentKeys\" anzulegen ist, schreibt XP sekundengenau vor, nach welcher Zeit der Vorgang zu wiederholen ist. Ein weit verbreiteter Tipp lautet: Je seltener, umso mehr Zeit bleibt für anderes, und daher solle man den Wert auf 10 800 setzen (entspricht drei Stunden, Voreinstellung ist eine Stunde). Doch das Nachmessen zeigt, dass das Einlesen des Zertifikats offenbar so schnell geht, dass sich die Benchmark-Programme davon nicht gebremst fühlen. Es spricht also nichts gegen kürzere Zeitabstände, die zudem auch aus Sicherheitsgründen empfehlenswert sind. Eine Abwandlung des Tipps ist, das DWORD unter HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\EFS einzutragen - doch auch das brachte keine messbaren Änderungen.

Normalerweise im Hintergrund ablaufende Prozesse sofort abzuarbeiten, soll Windows ebenfalls beschleunigen. Der Befehl "Rundll32.exe advapi32.dll,ProcessIdleTasks" startet all jene Aktionen sofort, die Windows sonst nur dann ausführt, wenn eine bestimmte Zeitspanne abgelaufen ist und der Anwender zudem gerade nicht am Computer aktiv ist. Dazu gehört das Nachprüfen, ob frische Updates zur Verfügung stehen, oder auch die Systemwiederherstellung, die zu bestimmten Zeitpunkten Wiederherstellungspunkte erstellt oder verwirft. Ob das was bringt, ist nicht messbar, denn die Benchmark-Programme lassen nicht zu, dass solche sonst im Hintergrund ablaufenden Prozesse starten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Geschwindigkeitssteigerung führt, ist jedoch gering, denn wenn der Rechner wirklich zu tun hat und mehr Power gut gebrauchen könnte, laufen diese Prozesse eh nicht.

Fazit

Windows lässt sich durch das Abschalten überflüssiger Autostarts beschleunigen, doch das war es im Grunde auch schon. Viele andere Tipps sind zwar ebenfalls interessant und mitunter sinnvoll, nur haben sie auf das Tempo des Systems keinen Einfluss.

Viel effektiver ist es, von vornherein sicherzustellen, dass Windows durch das Arbeiten ohne Admin-Rechte sowie durch den Einsatz von Virenscanner, Firewall und automatischen Updates vor Schädlingsprogrammen geschützt ist und dass sich mit Sicherungskopien und entsprechenden Bordmitteln Fehlbedienungen leicht rückgängig machen lassen. Denn was man sonst im Fehler- oder Katastrophenfall an Zeit verschleudert, lässt sich durch keine Tuning-Maßnahme je wieder reinholen. (axv)

Literatur

[1] Axel Vahldiek, Abkürzungen, Unter Windows schneller ans Ziel, c't 04/03, S. 176

[2] Axel Vahldiek, Unter falscher Flagge, Programme ohne Nutzeranmeldung starten, c't 6/04, S. 234

[3] Peter Siering, Axel Vahldiek, Zug um Zug, Vernetzung mit Windows im Griff, c't 24/04, S. 112

[4] Hajo Schulz, Schneller stöbern, Dateisuche mit Finesse unter Windows XP, c't 21/02, S. 238

[5] Stefan Finkenzeller, Geheimtransfer, Systemdienst BITS als Download-Helfer, c't 23/04, S. 234

[6] Karsten Violka, Popup-Propaganda, Nachrichtendienst-Spam verhindern, c't 15/03, S. 203

[7] Johannes Endres, Treffpunkt Desktop, Windows-Fernsteuerung mit Netmeeting, c't 10/05, S. 105

[8] Axel Vahldiek, Undercover, Programme unter Windows 2000 oder XP in anderem Sicherheitskontext starten, c't 18/04, S. 176

[9] Axel Vahldiek, Gerrit Grunwald, Selbstheilungskräfte, Wie Windows 2000 und XP sich selbst reparieren, c't 26/03, S. 102

[10] Karsten Violka, Qual der Wahl, Automatisch ins Internet mit Windows 2000 und XP, c't 4/03, S. 194

[11] Axel Vahldiek, Rein und los, Autorun und Autoplay unter Windows, c't 17/03, S. 180

[12] Axel Vahldiek, Da gibt's doch was von Microsoft!, Das zweite Service Pack für Windows XP, c't 16/04, S. 92

[13] Ernst Ahlers, Zeitnahme, Wie der PC an die richtige Zeit kommt, c't 19/02, S. 206

[14] Johannes Endres, Axel Vahldiek, Hilfe ohne Hinfahren, Windows-XP-Nutzern aus der Ferne helfen, c't 10/05, S. 102

[15] Axel Vahldiek, Selbstschutz, Das Sicherheitskonzept von Windows 2000 und XP, c't 15/04, S. 110

[16] Axel Vahldiek, Es geht auch ohne, Arbeiten ohne Admin-Rechte unter Windows, c't 15/04, S. 118

[17] Hajo Schulz, Schaltwerk, Hinter den Kulissen der Windows-Registry, c't 8/02, S. 112

[18] Axel Vahldiek, Aus heiterem Himmel, Windows-Seltsamkeiten auf der Spur, c't 10/04, S. 100

[19] Axel Vahldiek, Erlaubtes Filesharing, Mehrere Windows-Installationen teilen temporäre Daten, c't 4/04, S. 202

[20] Axel Vahldiek, Abwehrkräfte, Windows richtig installieren und sichern, c't 26/03, S. 96

[21] Karsten Violka, Notfallkonserven, Vier Festplatten-Imager im Praxistest, c't 2/05, S. 170

[22] Axel Vahldiek, Jo Bager, Backup per Knopfdruck, Eigene Dateien unter Windows sichern, c't 8/03, S. 160

[23] Axel Vahldiek, Kleinkriegen, Windows im Mini-Format, c't 6/03, S. 260

[24] Andreas Marx, Axel Vahldiek, Durchleuchter, 16 Virenscanner für Windows, c't 1/05, S. 128

Soft-Link 0517102

Kasten 1


So haben wir gemessen

Um zu messen, ob die diversen Tipps Windows wirklich im Ganzen beschleunigen, haben wir verschiedene Benchmark-Programme bemüht. Als Ausgangspunkt diente stets eine jungfräuliche Windows-XP-Installation mit Service Pack 2. Einzige Änderungen: Um mögliche Verfälschungen der Messergebnisse zu vermeiden, haben wir den Windows Messenger ausgeschaltet, auch die nur gelegentlich aktiven automatischen Updates haben wir zwischenzeitlich unterbrochen.

Die XP-Installationen liefen auf zwei Testrechnern, die stellvertretend für einen etwas älteren (zwei bis drei Jahre) und für einen top-aktuellen PC stehen. Welche Hardware genau in den Rechnern steckte, spielt im Grunde keine Rolle, denn hier geht es ja um Tipps, die Windows selbst beschleunigen sollen, also unabhängig von der eingesetzten Hardware funktionieren. Zum Einordnen der Testrechner reichen daher einige Eckdaten: Im langsameren steckte ein 1 GHz schneller Pentium III auf einem Board mit i815EP-Chipsatz. Er arbeitete mit 256 MByte RAM und einer Radeon-9000Pro-Grafikkarte. Im schnelleren Rechner verrichtete ein Pentium 4 mit 3 GHz und aktiviertem Hyper-Threading seinen Dienst auf einem Board mit i865-Chipsatz, ergänzt durch 1 GByte RAM und eine Radeon-9800Pro-Grafikkarte. Auf den Rechnern installierten wir Windows XP mit Service Pack 2.

Wie sich ein Tipp im Büro-Alltag auswirkt, maßen wir mit der Benchmark-Suite BAPCo-Sysmark 2004, die recht praxisnah arbeitet. Dazu bearbeitet sie unter anderem Bilder in Adobe Photoshop und Texte in Word, konstruiert 3D-Modelle in 3DS max, legt Tabellen in Excel an und packt Dateien mit Winzip. Außerdem installiert die BAPCo einen Virenscanner von McAfee, der im Hintergrund alle Operationen überwacht (vom Einsatz dieses Scanners mussten wir in unserem letzten Vergleichstest aufgrund diverser Probleme zwar abraten, bezüglich der bremsenden Auswirkungen auf das System ist er aber mit anderen Scannern durchaus vergleichbar [24]).

Die Auswirkung eines Tipps auf die Spieleleistung prüften wir unter anderem mit dem Futuremark 3DMark 2001. Dieser auf Spiele spezialisierte Benchmark beurteilt die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems, konzentriert sich also nicht wie andere Benchmark-Programme oder auch neuere Versionen des 3DMark nur auf einzelne Komponenten wie die Grafikkarte. Des Weiteren ließen wir einige Spiele laufen, etwa die Demo001 aus dem schon etwas älteren Ego-Shooter Quake 3. Beim aktuellen und ressourcenhungrigen Spiel FarCry maßen wir mit Hilfe des Programmes FRAPS die Framerate am Anfang des Levels "Sumpf" - allerdings nur auf dem stärkeren Rechner, da die Grafikkarte des älteren das Spiel derart limitiert, dass keine Unterschiede messbar gewesen wären. Um nicht nur Ballerspiele im Testfeld zu haben, ließen wir auch noch das Schachprogramm Fritz 8 einen Fritzmark-Wert berechnen.

Abschließend wollten wir wissen, ob sich ein Tipp auch beim Bearbeiten von DVDs auswirkt, genauer: wie lange es dauert, eine DVD mit Nero Recode auf 60 Prozent ihrer ursprünglichen Größe in MPEG-2 zu requantisieren. Des Weiteren transkodierten wir dasselbe DVD-Material in das Nero-Digital-Format (MPEG-4), um es auf 15 Prozent beziehungsweise CD-Rohlingsgröße zu schrumpfen.

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Messergebnisse im Überblick

TippBehauptung/VersprechenBenchmark-Ergebnisse (PC mit 1-GHz-CPU)1Benchmark-Ergebnisse (PC mit 3-GHz-CPU)1Kommentar
gerade nicht benötigte Programme beendenEs bleibt mehr Rechenpower für die anderen Anwendungen. Fritzmark: + 16% / 3dMark 2001: + 15% /Quake 3 1024: + 13 % / Quake 3 1280: + 9 % / Sysmark Rating: + 20 % / DVD Requantisieren: + 12 % / DVD Transkodieren: + 18 %FarCry: + 12 % / DVD-Requantisieren: + 12 % / alle anderen: keine messbaren ÄnderungenEffektiver ist das Abschalten der Autostarts.
überflüssige Autostarts deaktivierenLaufende Software "belastet die Systemressourcen". Fritzmark: + 17% / 3dMark 2001: + 15% / Quake 3 1024: + 13 % / Quake 3 1280: + 9 % / Sysmark Rating: + 22 % / DVD Requantisieren: + 12 % / DVD Transkodieren: + 18 %FarCry: + 16 % / DVD-Requantisieren: + 20 % / Nero Digital: + 18 % / alle anderen: keine messbaren Änderungenempfehlenswert
überflüssige Windows-Dienste deaktivieren"Standardmäßig laufen weit mehr dieser Dienstprogramme im Hintergrund, als der User wirklich braucht."Quake 3 1024: + 8 % / Sysmark Rating: keine Messung möglich alle anderen: keine messbaren ÄnderungenQuake 3 1024: + 7 % Sysmark Rating: keine Messung mögl. alle anderen: keine messbaren Änderungen im Prinzip sinnvoll, aber schwer umzusetzen
automatische Updates deaktivieren"Internet-Updates müllen den Rechner zu und nerven mit Dialogen zum falschen Zeitpunkt."keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungengefährlich!
Systemwiederherstellung deaktivieren"Die XP-Systemwiederherstellung raubt im Lauf der Zeit eine beträchtliche Menge an Festplattenspeicher."keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungennicht empfehlenswert
überflüssige Dateien auf der Festplatte löschen"Ein überfülltes Windows kostet nicht nur Zeit, sondern auch Plattenplatz."keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungenschafft Platz auf Festplatte, bringt aber kein Tempo
überflüssige Windows-Komponenten deinstallieren"20 Prozent fitter, 20 Prozent schneller"keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungenschafft Platz auf Festplatte, bringt aber kein Tempo
nicht benötigte Schriften deinstallieren"Im Ordner Windows\Fonts sollten nicht mehr als 100 Schriften liegen, da Windows hierdurch quälend langsam wird."keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungenschafft Platz auf Festplatte, bringt aber kein Tempo
DLLCache löschenschafft Platz auf der Festplattekeine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungenschafft Platz auf Festplatte, bringt aber kein Tempo
ein Drittel Plattenplatz freihalten"erste Grundregel" beim Beseitigen der "Perfomance-Hämmer"keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungenschafft Platz auf Festplatte, bringt aber kein Tempo
nicht benötigte Registry-Schlüssel löschen"Eine kleine, fehlerfreie Registry ist Voraussetzung für ein schnelles Betriebssystem."keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungenüberflüssig
Ausschalten des Windows-Designs Luna"So hübsch das ist, es kostet Rechenpower."keine messbaren Änderungenkeine messbaren ÄnderungenGeschmackssache
Windows XP "Für optimale Leistung anpassen""Das macht allen visuellen Kinkerlitzchen ein Ende."keine messbaren Änderungenkeine messbaren ÄnderungenGeschmackssache
Deaktivieren der Aufklappverzögerung bei Menüsbeschleunigt das Startmenükeine messbaren Änderungenkeine messbaren ÄnderungenGeschmackssache
normalerweise im Hintergrund laufende Prozesse durch den Befehl "Rundll32.exe advapi32.dll, ProcessIdleTasks" sofort starten "Die Optimierung dauert einige Zeit, danach ist Windows frei für andere Jobs."nicht messbarnicht messbarüberflüssig
Gültigkeitsdauer von EFS-Zertifikaten im Cache verlängern"Man kann die Arbeit mit verschlüsselten Dateien unter Windows beschleunigen, wenn man den Cache der Daten erhöht."keine messbaren Änderungenkeine messbaren Änderungenüberflüssig

1 siehe Kasten auf S. 108